<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Kaiserschnitt &#8211; Katja Baumgarten</title>
	<atom:link href="https://viktoria11.de/tag/kaiserschnitt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://viktoria11.de</link>
	<description>Filmemacherin, Journalistin, Hebamme</description>
	<lastBuildDate>Mon, 09 Sep 2024 09:49:33 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.4.8</generator>

<image>
	<url>https://viktoria11.de/wp-content/uploads/2023/01/cropped-Bildschirm­foto-2023-01-03-um-12.27.46-32x32.png</url>
	<title>Kaiserschnitt &#8211; Katja Baumgarten</title>
	<link>https://viktoria11.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Auf den Anfang schauen</title>
		<link>https://viktoria11.de/auf-den-anfang-schauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Mar 2014 07:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiserschnitt]]></category>
		<category><![CDATA[Kongresse und Tagungen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://viktoria11.de/?p=3963</guid>

					<description><![CDATA[„Kaiserschnitt – Zwischen Traum und Trauma, Wunsch und Wirklichkeit“ war das Motto des 25. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM). Er fand vom 17. bis 20. Oktober 2013 in Stolpen bei Dresden statt. Romantischer hätte meine Ankunft in der mittelalterlichen Kleinstadt vor den Toren Dresdens nicht ausfallen können: Im<a class="more-link" href="https://viktoria11.de/auf-den-anfang-schauen/"><span class="screen-reader-text">"Auf den Anfang schauen"</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>„Kaiserschnitt – Zwischen Traum und Trauma, Wunsch und Wirklichkeit“ war das Motto des 25. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für prä- und perinatale Psychologie und Medizin (ISPPM). Er fand vom 17. bis 20. Oktober 2013 in Stolpen bei Dresden statt.</strong></p>



<p>Romantischer hätte meine Ankunft in der mittelalterlichen Kleinstadt vor den Toren Dresdens nicht ausfallen können: Im Vollmond unter Sternenhimmel und einigen dramatisch beleuchteten Wolken lag die hoch aufragende illuminierte Burg Stolpen vor mir. Schon als Kind hatte ich von meinen Dresdner Großeltern gehört, dass dort die schöne ehemalige Geliebte August des Starken, die Gräfin Constantina von Cosel vor 200 Jahren fast 50 Jahre lang bis zu ihrem Tod als alte Frau gefangen gehalten worden war – sie war durch zu viel Eigenständigkeit in Ungnade gefallen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ganzheitliche Annäherung</h2>



<p>Die Tagung der ISPPM fand im Hotel „Goldener Löwe&#8220; am großen mittelalterlichen Marktplatz statt, umgeben von liebevoll restaurierten Häusern. An die 100 TeilnehmerInnen versammelten sich in den vier Tagen im großen Veranstaltungssaal, um in interdisziplinärem Austausch über das gesellschaftlich wie medizinisch brisante Thema „Kaiserschnitt&#8220; aus pränatalpsychologischer, körper- und psychotherapeutischer sowie geburtshilflicher Sicht zu reflektieren. Vorwiegend aus Deutschland kamen die TeilnehmerInnen, manche waren auch aus anderen Ländern wie Österreich, Italien, Großbritannien, der Türkei oder Israel angereist – eine der ReferentInnen kam sogar aus den USA.</p>



<p>Die Hebammen als Praktikerinnen der Geburtshilfe waren – anders als bei manchen früheren Tagungen der ISPPM – diesmal mit einem Anteil von etwa einem Drittel gut vertreten, neben PsychotherapeutInnen, (Frauen-)ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen und VertreterInnen anderer Berufsgruppen, die sich hier mit den vorgeburtlichen Einflüssen, der Bedeutung der Geburt und der ersten Lebenszeit für die weitere Entwicklung auseinandersetzen wollten. 26 ReferentInnen boten mit etwa 20 Vorträgen und 11 Workshops spannende Impulse, um auf die weit reichende Bedeutung des Kaiserschnitts zu schauen: in einer systematischen Annäherung aus multiprofessioneller Sicht, der Beleuchtung und Vertiefung unterschiedlichster Aspekte der Kaiserschnittgeburt und Anregungen zur Prävention. Auch die Vorführung des australischen Dokumentarfilms „The face of birth&#8220; der beiden Filmemacher Kate Gorman und Gavin Banks stand auf dem Programm, der das Recht von Frauen thematisiert, über den Geburtsort ihrer Kinder frei entscheiden zu können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Den Kaiserschnitt gibt es nicht …</h2>



<p>Der Frauenarzt und Geburtshelfer <strong>Dr. Sven Hildebrandt</strong>, der als Präsident der ISPPM in seinen Heimatort Stolpen eingeladen hatte, führte einfühlsam mit großer integrierender Aufmerksamkeit und Würdigung für alle Anliegen, Verdienste und Positionen durch die Tagung. Dabei behielt er in seinen Überleitungen und Resümees immer ein Ziel im Auge: die bestmögliche Geburt für Mutter und Kind und eine respektvolle, heilsame Begleitung, auch wenn sich nicht alles optimal entwickelt hat. Es gebe nicht den Kaiserschnitt, betonte er in seinem Eröffnungsvortrag, sondern mindestens vier Grundtypen von Geburtsszenarien, bei denen eine Spontangeburt des Kindes oft nicht möglich erscheine: ein Kaiserschnitt zur Rettung des Kindes aus einem intrauterinem Notzustand oder zu seiner Rettung aus einer destruktiven Geburtskrise, aus geburtshilflicher Risikoabwägung, beispielsweise bei einer Beckenendlage, oder auch ohne medizinische Notwendigkeit, bei einem seelischen Trauma als Hintergrund. Nicht den Kaiserschnitt als geburtshilfliche Methode in Frage zu stellen, sei Aufgabe der Tagung, sondern die zu Grunde liegenden Dynamiken hinsichtlich präventiver und therapeutischer Ansätze und individueller früher und später Nachbetreuung zu beleuchten.</p>



<p>Die Hebamme und Gesundheitswissenschaftlerin <strong>Christiane Schwarz</strong> aus Schellerten bei Hildesheim entwickelte abends in ihrem Festvortrag zwei Szenarien: „Wie könnte eine Welt mit 50 Prozent Kaiserschnittkindern aussehen? Wie könnte eine Welt mit 90 Prozent interventionsfreier Geburt aussehen?&#8220; Etliche ReferntInnen bezogen sich in den nächsten Tagen auf ihre Gedanken. Die US-amerikanische Physikerin <strong>Jane English</strong> aus Vermont beschrieb in ihrem Vortrag „Stories from a Journey through a Different Doorway&#8220; bewegend aus dem Blickwinkel der Betroffenen ihr eigenes Suchen als selbst Sectiogeborene, der die Erfahrungen von Wehen fehlten.</p>



<p>Die Hebamme, Ethnologin und Journalistin <strong>Dr. Angelica Ensel</strong> aus Hamburg beleuchtete in ihrem Vortrag „Wer das Ende verstehen will, muss auf den Anfang schauen. Von der Macht der inneren Bilder&#8220; die inneren Vorstellungen, die jede Frau mit in ihre Geburt hineinnimmt. Der Einbildungskraft, wenn ein Bild sich „einkörpere&#8220; und seine Wirkungen entfalte, sei in früheren Zeiten eine große Wirkmacht zugeschrieben worden. Eine hohe Bedeutung maß Ensel deshalb der Schwangerenvorsorge bei, die als Übergangsbegleitung und Sozialisationsprozess prägend für das Entwickeln innerer Bilder von der Geburt sei. Schwangere Frauen würden in der sensiblen Phase des Übergangs nach Orientierung suchen und seien leicht zu irritieren. Ultraschallbilder könnten stärken oder irritieren. Der dabei meist vorherrschende Überwachungs- und Kontrollblick bringe die Schwangere in eine passive Haltung und spiegele die Ohnmacht der Begleitenden.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ressourcenorientierter Blick</h2>



<p>Als Beispiel für einen ressourcen­orientierten Blick bei der Ultraschalluntersuchung regte der Frauenarzt und Psychotherapeut<strong> Dr. Rupert Linder</strong> aus Birkenfeld bei Pforzheim an, beispielsweise die Speckschicht des Kindes zu messen. Der Geburtshelfer, der lange Zeit auch Hausgeburten begleitet hatte, erläuterte in seinem Vortrag „Die Vermeidung unnötiger Kaiserschnitte&#8220; die ganzheitlichen medizinisch-psychotherapeutischen Ansätze seiner Praxis.</p>



<p>Die aktive und streitbare Seniorin unter den Hebammen, <strong>Eva-Maria Müller-Markfort</strong> aus Ahlen, Präsidentin des Deutschen Fachverbands für Hausgeburtshilfe (DFH) und Pränatalpsychologin, begann ihren Vortrag mit einem Appell an die Hebammen: „Sie haben schwere Jahre vor sich – kämpfen Sie!&#8220; Als sie ihre Ausbildung an der freien Universität Brüssel Anfang der 1960er Jahre absolvierte, habe von den 69 Frauen, die sie damals bis zum Examen betreute, eine einen Kaiserschnitt erhalten. Sie betrachte den rasanten Anstieg der Kaiserschnittrate mit Sorge und sehe darin auch eine Gefahr für die Autonomie der Frau. „Ob unsere Gesellschaft starke autonome Frauen nicht will?&#8220;, fragte sie in ihrem Vortrag unter dem Titel „Der transgenerationale Kaiserschnitt – Fluch oder Chance?&#8220;. Immer sichtbarer würden die Folgen, die aus dem Verlust sowohl auf Seiten der Frauen resultierten, aus eigener Kraft gebären zu können, als auch aus der verlorenen Chance für das Ungeborene, sich selbst seinen Weg durch den Geburtsweg hindurch in die Freiheit zu erarbeiten – so wie es der evolutionären Bestimmung entspräche. Sie stellte die psychotherapeutische Methode des „Katathymen Bilderlebens&#8220; vor, mit der durch innere Bilder einer Vorprägung entgegengewirkt werden könne. Denn Kaiserschnitt werde von der Mutter manchmal auf die Tochter „vererbt&#8220;, unter Umständen bereits in der dritten Generation.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fragwürdiges Experiment</h2>



<p>Etwas irritierend war der Vortrag „Prevention of cesarean: babies can help&#8220; – Results of an Experimental Scientific Research and new lights on the prenatal experience&#8220;, zu Deutsch: „‚Dem Kaiserschnitt vorbeugen: Babys können helfen’ – Ergebnisse experimenteller wissenschaftlicher Forschung und vorgeburtliches Erleben in einem neuen Licht&#8220;. Darin stellte die Vizepräsidentin der ISPPM, <strong>Gabriella Ferrari</strong> aus Italien ihre Untersuchungen vor, die sie bei einem Forschungsprojekt an der Universität Parma angestellt hatte. Sie zeigte dafür ein Video, mit dem sie belegen wollte, dass bestimmte Zuwendungen der Eltern gegenüber ihrem ungeborenen Kind zu entsprechenden imitierenden Antworten führten. Dazu wurden in einem Teil des Videobildes die Eltern gezeigt, die in einer Versuchssituation mit ihrem Ungeborenen Kontakt aufnehmen sollten. Beispielsweise sollten Väter ihr Kind über die Bauchdecken küssen. Als Bild im Bild war ein anderes Video integriert von Aufzeichnungen angeblich gleichzeitiger Ultraschallaufnahmen. Darauf waren dann Bewegungen des Kindes zu sehen, die als dessen Reaktion auf die Aktionen seiner Eltern zugeordnet worden waren.</p>



<p>Auch wenn diese Zusammenhänge, die hier bewiesen werden sollten, wünschenswerte und naheliegende Gedanken sind, konnte das gezeigte Video keine Überzeugungskraft mit wissenschaftlichem Anspruch entwickeln. Unterlegt mit manipulativ eingesetzter Musik blieb der Zuschauer auch hinsichtlich der behaupteten Synchronizität völlig auf sein „Glauben müssen&#8220; angewiesen. Jede/r, der/die ein einfaches Videoschnittprogramm beherrscht, könnte ein solches Video aus Aufzeichnungen von Ultraschalluntersuchungen und separat aufgenommenen Situationen mit den Eltern montieren. Sicher lohnt es sich, auf diesem Gebiet weiter und noch präziser wissenschaftlich zu forschen und die Zusammenhänge der Dialoge zwischen Eltern und ihren Ungeborenen in eindeutiger Zuordnung auch für die Außenwelt nachvollziehbar zu machen. Auch für den weiteren Aspekt ihres Vortrags, die Früherziehung an Schulen zur Bedeutung der vorgeburtlichen Zeit, wäre ein solches Sichtbarmachen der Zusammenhänge sicher wertvoll.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprünge ins Unbekannte</h2>



<p>Nicht nur die ansonsten erstklassigen Vorträge trugen zum inspirierenden Klima der Tagung bei. Auch beim Austausch zu den Vorträgen befruchteten sich die unterschiedlichen Blickwinkel der verschiedenen Berufsgruppen. Der Psychotherapeut und langjährige ehemalige Präsident der ISPPM <strong>Dr. Ludwig Janus</strong> meldete sich zu Wort mit seiner Idee, es müsste eine Zeitschrift „Geburt&#8220; ins Leben gerufen werden, als gemeinsame Fachzeitschrift für alle an der Geburt und ihren Folgen beteiligten Berufsgruppen.</p>



<p>Zwischen den Vortragsblöcken sorgten der Gesang der Heilpädagogin <strong>Ingeborg Mara Hecking</strong> in der Begegnung mit dem Musiker und Psychotherapeuten <strong>Florian Noack</strong> durch ihre teilweise archaischen, experimentellen Darbietungen dafür, dass neben dem Intellekt auch die seelischen Innenwelten angerührt wurden. Sie gaben der Tagung einen wirkungsvollen künstlerischen Rahmen.</p>



<p>Die Tagung wurde auch belebt durch zwei gemeinsame Spaziergänge der Tagungsteilnehmer: zunächst zu einem Platz am Fuße der nahe liegenden Burg, zu den „Stolpener Orgelpfeifen&#8220;. Die Burg war in früheren Zeiten auf einem Berg hoch aufragender Basaltsäulen errichtet worden. Sven Hildebrandt erläuterte, dass das vulkanische Gestein vor 25 Millionen Jahren entstanden sei. Vor dem Hintergrund dieser erdgeschichtlichen Dimensionen und begleitet mit einer Darbietung der Musiker, regte Hildebrandt an, sich mit einem „Sprung über den Fluss&#8220; der Übergangsphase der Geburt anzunähern – einer häufigen Quelle von Geburtsstillständen und Kaiserschnittgeburten. Viele TagungsteilnehmerInnen nutzten diesen Sprung von einer Erhöhung in eine übersichtliche Tiefe mit einer Mischung aus spielerischem Humor und manchmal ernsterer persönlicher Bedeutung: die innere Überwindung für das Unbekannte zu wagen, umringt und ermutigt von der Gruppe, manchmal mit einer helfenden Hand an der Seite.</p>



<p>Ein zweiter Spaziergang führte am nächsten Tag ins Innere des Burghofs, wo Hildebrandt beschrieb, wie der enge Basaltbrunnen zentimeterweise in jahrelanger harter Arbeit von jeweils einem Menschen in das harte Gestein gemeißelt worden war, um eine unabhängige Wasserversorgung für die Burg zu sichern. Er führte die 84 Meter Tiefe des Brunnens eindrücklich vor, als er einen Krug voll Wasser entleerte: Nach erstaunlich langer Zeit war für die Umstehenden das Auftreffen unten auf der Wasseroberfläche zu hören, der Himmel spiegelte sich plötzlich in den Lichtreflexen des unruhigen Wassers – auch dies eine anschauliche Symbolik. Dagegen bot sich ein wenig weiter ein atemberaubender Rundblick von oben in die weite sächsische Landschaft. Hier versammelten sich alle TeilnehmerInnen in einem großen Kreis und trugen die persönlichen Impulse und Gedanken zusammen, die sie zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Kaiserschnitt mit nach Hause nehmen wollten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Epidemie des Kaiserschnitts</h2>



<p>Wieder zurück präsentierte als letzten krönenden Abschluss die Rektorin der Universität Leipzig, <strong>Prof. Dr. Beate Schücking</strong> in ihrem tiefsichtigen Vortrag „Die sozialpolitische und kulturelle Dimension der Kaiserschnittgeburt – Gesundheitsförderung bei Vermeidung und gesundheitsfördernder Umgang mit Menschen, die mit einem Kaiserschnitt konfrontiert waren&#8220;. Schücking erläuterte fünf grundsätzliche Thesen zum Kaiserschnitt. Das Argument, der Kaiserschnitt sei eine medizinische Errungenschaft, die für Mutter und Kind heute besser verträglich sei als noch vor Jahrzehnten und Jahrhunderten, analysierte sie kritisch. Sie selbst sei damit groß geworden, bekannte die Ärztin und Gesundheitswissenschaftlerin, dass ein Kaiserschnitt ein gefährlicher Eingriff sei und deshalb sparsam eingesetzt werden solle. Auch heute gelte aus evidenzbasierter, gesundheitswissenschaftlicher Perspektive, dass eine Sectiorate unter zehn Prozent für eine gute Geburtshilfe stehe. Der steile Anstieg der Kaiserschnittrate seit den späten 90er Jahren sei eine Epidemie, die mit wirtschaftlichen Bedingungen der Fehl- und Überversorgung zu tun habe. „Ärzte und Hebammen wissen oft nicht genug über den Kaiserschnitt und die damit verbundenen Belastungen für Mutter und Kind sowie auch für nachgeborene Geschwisterkinder.&#8220; Er habe auch demografische Auswirkungen: Frauen, die bei der ersten Geburt eine Sectio erhalten hätten, bekämen anschließend weniger Kinder, nachfolgende Schwangerschaften seien häufiger nicht intakt. Auch gewünschte Schwangerschaften stellten sich seltener ein. „Von der deutlich niedrigeren Geburtenrate von Frauen mit einem Kaiserschnitt wissen die Politiker nicht!&#8220;, wies Schücking auf diesen wichtigen gesundheitspolitischen Aspekt hin.</p>



<p>Die Auswirkungen der Vorteile einer physiologischen Geburt seien im Gegensatz zur Pathologie nicht ausreichend erforscht. In ihrer letzten These setzte sich Schücking mit den Profiteuren der Kaiserschnittepidemie auseinander: Nicht die Ärzte profitierten von der Sectio, sondern die Klinikbetreiber, da eine zeitlich planbare Sectio nicht so personalintensiv sei und ökonomische Vorteile biete. Sie forderte, die Krankenkassen müssten umfassender informiert sein, welche Nachteile ihre Versicherten davon hätten. Als Nachteile für die Hebammen und Ärzte sah sie einen Verlust von Fertigkeiten, beispielsweise der professionellen Fähigkeiten bei der Entwicklung von Kindern aus Beckenendlage. Dies sei über Jahrhunderte angesammeltes geburtshilfliches Handwerk. Als positives Beispiel, dass es auch heutzutage noch anderes gehe, verwies sie auf die skandinavischen Länder. Die Uniklinik Bergen in Norwegen weise eine Sectiorate von elf bis zwölf Prozent auf. „Warum wird die Epidemie so wenig bekämpft?&#8220;, fragte sie zum Abschluss: „Warum gibt es in Deutschland so wenig Initiativen gegen die ansteigende Sectiorate?&#8220; Die gesundheitliche Versorgung werde nicht nachhaltig geplant. Erst seit kurzem gebe es Gesundheitsziele. Es werde zu wenig sichtbar gemacht, welche Langzeitfolgen zurückblieben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fruchtbarer Rahmen</h2>



<p>Die Tagung hinterließ auf dem Heimweg am frühen Nachmittag ein erhebendes Gefühl aus starken Eindrücken und Nachgedanken. Neben dem offiziellen Programm hatte sie einen fruchtbaren Rahmen für intensive Gespräche nebenher und interessante neue Kontakte geschaffen. Schon lange habe ich mich nicht mehr so in allen Bereichen rundum beschenkt gefühlt: durch die fachlichen Anregungen, das menschliche Miteinander und das Mitschwingen der inneren Gefühlswelten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
