<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Helga Albrecht &#8211; Katja Baumgarten</title>
	<atom:link href="https://viktoria11.de/tag/helga-albrecht/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://viktoria11.de</link>
	<description>Filmemacherin, Journalistin, Hebamme</description>
	<lastBuildDate>Tue, 15 Oct 2024 06:54:24 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.4.8</generator>

<image>
	<url>https://viktoria11.de/wp-content/uploads/2023/01/cropped-Bildschirm­foto-2023-01-03-um-12.27.46-32x32.png</url>
	<title>Helga Albrecht &#8211; Katja Baumgarten</title>
	<link>https://viktoria11.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Unsere Eigenständigkeit erhalten</title>
		<link>https://viktoria11.de/unsere-eigenstaendigkeit-erhalten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[nikolaus]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Mar 2006 08:49:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
		<category><![CDATA[Helga Albrecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://viktoria11.de/?p=3760</guid>

					<description><![CDATA[Katja Baumgarten hat Helga Albrecht nach ihren Zielen und Schwerpunkten als neue Präsidentin des BDH gefragt. Katja Baumgarten: Wie werden Sie Ihr Amt als Präsidentin des BDH ausüben, welchen Führungsstil streben Sie an? Helga Albrecht: Ich bin gerne im Gespräch und treffe meine Entscheidungen häufig erst über den Austausch mit anderen. Entscheidungen sollten nicht an<a class="more-link" href="https://viktoria11.de/unsere-eigenstaendigkeit-erhalten/"><span class="screen-reader-text">"Unsere Eigenständigkeit erhalten"</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Katja Baumgarten hat Helga Albrecht nach ihren Zielen und Schwerpunkten als neue Präsidentin des BDH gefragt.</p>



<p><strong>Katja Baumgarten: Wie werden Sie Ihr Amt als Präsidentin des BDH ausüben, welchen Führungsstil streben Sie an?</strong></p>



<p>Helga Albrecht: Ich bin gerne im Gespräch und treffe meine Entscheidungen häufig erst über den Austausch mit anderen. Entscheidungen sollten nicht an anderen vorbei gehen. Jede Hebamme arbeitet unterschiedlich und hat andere Bedürfnisse. Ich bin froh, dass ich aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung Vieles nachempfinden kann. Aber ein Mensch alleine kann das gar nicht angemessen einschätzen.</p>



<p><strong>Sie möchten Ihre Entscheidungen auf eine breite Basis stellen?</strong></p>



<p>Ganz genau. Ich verlagere gerne auf mehrere Schultern – im Sinne von Mitverantwortung tragen. Ich habe auch große Freude daran, Kontakt und ein gutes kollegiales Verhältnis mit den Hebammen zu haben. Konkurrenzdenken muss abgebaut werden. Wir können uns solche überflüssigen Probleme überhaupt nicht leisten, weil wir in ein paar Jahren zu wenige Hebammen sein werden &#8211; wenn man sieht, welche Leistungen in den ambulanten Bereich verlagert werden. Wir führen gerade eine Bedarfsanalyse zur genaueren Beurteilung der Hebammenarbeit durch. Nicht nur, ob wir wirklich fehlen &#8211; davon bin ich überzeugt &#8211; sondern wo wir fehlen.</p>



<p><strong>Wann soll die Bedarfsanalyse veröffentlicht werden?</strong></p>



<p>Die Arbeit steht am Anfang, zurzeit werden noch Gelder beantragt. Die Bedarfsanalyse ist sehr wertvoll, denn im Moment wird vieles noch aus „dem Bauch heraus“ beurteilt. Jeder erzählt, wie es bei ihm oder ihr in der Stadt oder auf dem Land gerade aussieht. Wir Hebammen müssen unsere Blickrichtung ändern &#8211; im Vordergrund sollte nicht nur stehen: „Was möchte ich arbeiten?“, sondern: „Was brauchen die Menschen hier in dieser Gegend?“ Das kann sehr unterschiedlich sein. Wenn man diese Lücken erkennt, verliert sich auch schnell die Konkurrenz &#8211; beispielsweise wenn in einer Region die Frage auftaucht: „Was machen wir mit der Geburtshilfe, wenn hier drei kleine Häuser schließen? Wer fängt das auf? Ist das eine Möglichkeit für uns?“ Diese Beweglichkeit fehlt mir noch bei den Hebammen. Wenn man vom Bedarf ausgeht, wird es sicher Überraschungen geben. Ich werde dafür werben, dass man sich nach diesen Bedürfnissen richtet, sonst entstehen Lücken, in denen es keine Hebammen gibt. Dann merkt man entweder: „Wir kommen gut ohne Hebammen aus!“ &#8211; das will ich nicht &#8211; oder aus der Not heraus übernehmen neue Gruppierungen angestammte oder vorbehaltene Hebammentätigkeiten. Das wäre schade. Wir haben einen tollen Beruf, in dem wir flexibel arbeiten können, wir müssen das nur nutzen!</p>



<p><strong>Welche Ziele haben Sie hinsichtlich der drei Bereiche: Freiberuflichkeit, Angestelltenbereich und Ausbildung? Was werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit sein?</strong></p>



<p>Bei den Freiberuflichen ist ein Schwerpunkt die Entlassung in die Selbstverwaltung. Wir brauchen dafür als Grundlage noch einmal eine Gebührenerhöhung und strukturelle Veränderungen der Hebammengebührenverordnung.</p>



<p><strong>Es sollte doch noch zwei Stufen der Gebührenanhebung geben. Wann werden die umgesetzt?</strong></p>



<p>Dafür werden wir die Zeit nicht haben. Es steht fest, dass am 1. Januar 2007 die Entlassung stattfindet. Wir müssen schauen, was wir in diesem Jahr erreichen können. Jetzt haben wir wenigstens wieder eine funktionierende Regierung.</p>



<p><strong>Die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat doch nicht gewechselt!</strong></p>



<p>Ich hoffe, dass wir durch diese Kontinuität mit den Verhandlungen schneller zum Ziel kommen. Wir müssen ja außerdem noch mit den Krankenkassen über die Vorgehensweise für die Zeit danach sprechen. Da gibt es noch viel zu tun und das ist in diesem Jahr das Vorrangige.</p>



<p><strong>Haben Sie bestimmte Schwerpunkte bei der Gebührenverhandlung?</strong></p>



<p>Darauf möchte ich jetzt nicht gerne eingehen, denn die andere Seite liest mit!</p>



<p><strong>Das Wegegeld, beispielsweise, ist zum letzten Mal 1994 erhöht worden &#8211; die Benzinpreise sind seitdem drastisch angestiegen!</strong></p>



<p>Ja, das ist natürlich eine vordringliche Forderung – war es auch schon bei der letzten Verhandlung.</p>



<p><strong>Ursprünglich sollten mit dem Wegegeld zu 40 Prozent die Kfz-Kosten und zu 60 Prozent der Zeitaufwand vergütet werden. Davon sind wir mittlerweile weit entfernt.</strong></p>



<p>Ohne jetzt in eine falsche Richtung parteiisch zu sein, kann es auf der anderen Seite auch nicht sein, dass die Krankenkassen die explodierenden Benzinkosten auffangen &#8211; das muss man auch bedenken.</p>



<p><strong>Aber das sind doch Kosten, die für die Hebammen anfallen. Die zunehmend teure Medizintechnik muss ja auch bezahlt werden. Da kann man doch die Krankenkassen in diesem Punkt nicht schonen.</strong></p>



<p>Das ist auch richtig und da geht die Diskussion natürlich hin. Aber das ist sehr schwer durchzusetzen, da sind wir dran. Der zweite wichtige Schwerpunkt betrifft die Umstellung im Abrechnungssystem auf die DRGs in den Kliniken. Die freiberuflichen Hebammen sind dabei schlecht oder zum Teil gar nicht berücksichtigt. Wir müssen deutlich machen, wo wir mit unserer Tätigkeit in Erscheinung treten und in welchen DRGs wir berücksichtigt werden müssen. Sonst wird das eine Katastrophe! Das Thema DRGs betrifft auch immer mehr freiberufliche Hebammen, weil immer mehr Hebammen in Krankenhäusern Beleghebammen sind.</p>



<p><strong>Es gibt immer noch viele Umwandlungen in Belegsysteme. Wie werden die Kolleginnen vom Verband unterstützt, dass sie vorteilhafte Verträge erhalten?</strong></p>



<p>Verschiedene Expertinnen sind in diesem Bereich engagiert – vor allem die Beirätin für den freiberuflichen Bereich, Monika Selow. Bei ihr kommen meistens die Notrufe an. Außerdem ist das Thema seit vielen Jahren mein persönliches „Steckenpferd“: Ich habe viele Fortbildungen gegeben und betroffene Kolleginnen auch vor Ort beraten &#8211; bis heute. Die Kolleginnen sollten sich möglichst rechtzeitig melden, es steht von unserer Seite eine große Unterstützung für sie bereit! Es ist oft schon zu spät, wenn sie bereits Verträge in der Hand haben. Es gibt einen Mustervertrag vom BDH und viele Beratungs-Möglichkeiten. Wir haben außerdem vor einigen Jahren die Broschüre „Die Hebamme im Belegsystem“ herausgegeben.</p>



<p><strong>Wie sehen Sie die Zusammenarbeit von freiberuflichen Hebammen und niedergelassenen Frauenärzten in deren Arztpraxen? Es gibt immer mehr Kolleginnen, die die Schwangerenvorsorge in den Arztpraxen machen und dabei zum Teil haarsträubende Verträge eingehen.</strong></p>



<p>Auch dazu ist Aufklärungsarbeit notwendig und ich bitte alle Hebammen, sich beim BDH zu erkundigen.</p>



<p><strong>Diese teuer erkaufte Symbiose bedeutet ja auch zum Teil Konkurrenz zu den freien Hebammen mit eigener Praxis, was manchmal zu Unmut führt.</strong></p>



<p>Ja, ganz genau! Das entsteht aber oft aus Missverständnissen. Weil Hebammen, wenn sie in einer Praxis mitarbeiten, oft gar nicht klar ist, wie ihre Rechte sind. Manchmal scheuen sie sich auch, selbstbewusst aufzutreten, um endlich eine feste Arbeitsstelle zu haben. Aus solchen Beweggründen unterschreiben Hebammen auch unvorteilhafte Verträge &#8211; das ist bei Beleghebammen genau dasselbe. Das haben wir gar nicht nötig. Mir ist sehr wichtig, das Selbstbewusstsein von Hebammen zu stärken und unsere Eigenständigkeit zu erhalten, sodass wir anderen Berufsgruppen partnerschaftlich auf einer Ebene begegnen.</p>



<p><strong>Was ist Ihr Augenmerk beim Angestelltenbereich?</strong></p>



<p>Bei den Angestellten sind natürlich auch die DRGs ein wichtiger Punkt – das betrifft schon den Ausbildungsbereich, weil in den DRGs die Ausbildung noch nicht wirklich berücksichtigt wird. Keiner weiß genau, wie die Ausbildung in Zukunft finanziert wird.<br>Bei den angestellten Hebammen ist ebenfalls Selbstbewusstsein notwendig, zu schauen, wie man in der Klinik Stellen erhalten kann. Wie macht man sich interessant? Was kann man anbieten? Ich sehe oft, dass angestellte Kolleginnen in der Freiberuflichkeit das verwirklichen, wie sie eigentlich gerne arbeiten möchten. Dieses Potenzial geht den Kliniken verloren. Man muss dort erstmal die Kolleginnen motivieren, vielleicht auch eine Fortbildung machen und etwas ausprobieren. Man muss die Erlaubnis von der Ärzteschaft bekommen. Das ist anstrengend, aber es lohnt sich! Beispiele, wie die integrierte Wochenbettpflege, sind doch großartige Entwicklungen. Auch da sind wir gerne bereit, mit zu unterstützen.</p>



<p><strong>Viele Kolleginnen arbeiten überbelastet im Krankenhaus, die Geburtenzahlen pro Hebamme haben zugenommen.</strong></p>



<p>In diesem Punkt müssen wir uns bedeckt halten. Wir haben vor drei oder vier Jahren eine Analyse durchgeführt, wie die Situation der angestellten Hebammen ist. Damals ging man noch von der Personalanhaltszahl von einer Hebamme pro 118 Geburten aus. Bei dieser Analyse hat sich herausgestellt, dass einer Hebamme eigentlich nur im privatisierten Bereich beziehungsweise nur in konfessionellen Häusern mehr Geburten zugetraut werden. In den anderen Häusern sind sie gerade auf knapp 100 Geburten gekommen.</p>



<p><strong>Tatsächlich? Prof. Vetter hatte beim Perinatalkongress im vergangenen Dezember von einer Zunahme der Geburten pro Hebamme gesprochen.</strong></p>



<p>Ja, da hat jeder seine eigene Sichtweise.</p>



<p><strong>Andererseits werden, wie ich gehört habe, nur zu 29 Prozent der Arbeitszeit tatsächlich Frauen bei der Geburt betreut &#8211; der Rest besteht aus anderen Tätigkeiten.</strong></p>



<p>Das ist das Problem!</p>



<p><strong>Ist es dann ein falscher Schlüssel, die Kreißsaalarbeit der Hebammen nur auf die Geburten zu beziehen?</strong></p>



<p>Ganz genau. Wenn man es nur an den Geburten festmacht, kann man zunächst keine Überlastung erkennen. Aber die Tätigkeiten sind für Hebammen in einer Klinik ganz andere geworden. Deswegen haben sie nicht mehr die Zeit, sich wirklich um die Frauen zu kümmern. Aber es ist unglaublich, was Hebammen zusätzlich alles tun müssen – sie arbeiten teilweise bis zu 50 Prozent in der gynäkologischen Ambulanz. Wie soll ich denn eine Frau betreuen, wenn in meinem Dienst drei oder vier Frauen von draußen kommen, die ich dann erstmal versorgen muss? Solche Kolleginnen möchte ich unterstützen, Möglichkeiten zu suchen, wie sie wieder an die originären Tätigkeiten herankommen. Auch wenn die Drohung der Entlassung in die Freiberuflichkeit, ins Belegsystem im Raum steht. Oder zu gucken: Wie können Hebammen außerdem noch arbeiten? Zum Beispiel denken die wenigsten Hebammen an Aufstiegsmöglichkeiten in einem Krankenhaus. Ich finde es wichtig, auch Hebammen in Pflegedienstleitungen zu haben oder als Abteilungsschwester &#8211; dann ist es eben eine Abteilungshebamme. So etwas gibt es noch viel zu wenig.</p>



<p><strong>Gibt es für Hebammen hinreichend spezielle Fortbildungen vom Verband?</strong></p>



<p>Wir haben jetzt in Stuttgart den zweiten Durchgang der Weiterbildung zur Leitungshebamme. Diese Fortbildungen sind sehr erfolgreich. Die Hebammen, die sich dazu entschließen, machen das sehr gerne – häufig aber mit großen Einbußen, weil sie selten von ihren Häusern ausreichend unterstützt werden. Andererseits haben wir inzwischen auch viele Hebammen, die studiert haben, die dann im Pflegemanagement oder in der Pflegewissenschaft ebenfalls leitende Positionen einnehmen könnten. Da ist noch viel Potenzial, wo Hebammen sich noch nicht das Recht nehmen, diese Stellen einzunehmen.</p>



<p><strong>Welche Ziele haben Sie zur Verbesserung unserer Hebammenausbildung?</strong></p>



<p>Zunächst müssen wir eine Lösung finden, wie die Finanzierung von Ausbildungsplätzen sichergestellt werden kann. Ein Problem dabei ist außerdem: Es gibt Hebammenschulen, deren ärztliche Leiter kein Interesse daran haben, sie zu halten. Wenn die Ausbildung nicht ausreichend aus dem Pflegesatz finanziert wird &#8211; was ja schon immer schwierig war &#8211; dann wird es natürlich noch schwieriger und es wird Schließungen geben! Außerdem müssen auch die neuen EU-Richtlinien innerhalb unserer Ausbildung umgesetzt werden, dass wir da den Anschluss nicht verlieren. Da sind wir das Schlusslicht.</p>



<p><strong>Muss dafür das Hebammengesetz geändert werden?</strong></p>



<p>Nein, nicht für die Umsetzung der EU-Richtlinien. Aber wenn wir die akademische Ausbildung einführen, beispielsweise als Fachhochschulstudium, dann müsste unter Umständen das Gesetz geändert werden.</p>



<p><strong>Wie stehen Sie zur Fachhochschulausbildung?</strong></p>



<p>Zur Fachhochschulausbildung an sich stehe ich positiv, denn dadurch bekommt die Hebammenausbildung einen anderen Stellenwert. Mir ist natürlich außerordentlich wichtig, dass die praktische Seite der Ausbildung nicht zu kurz kommt. Deswegen bin ich auch von der Fachhochschule überzeugter, als von der Uni, weil man dort einen stärkeren Praxisbezug hat.</p>



<p><strong>Kann man den Praxisbezug im Rahmen eines Studiums sicherstellen?</strong></p>



<p>Ich habe kein Konzept in der Tasche, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass es funktioniert. In den Diskussionen der letzten Jahre gab es große Skeptikerinnen. Ich selbst bin Hebamme ohne Abitur, mit zweijähriger Ausbildung und habe nicht das Gefühl irgendwelcher Defizite. Trotzdem erscheint es mir wichtig, sich der internationalen „Landschaft“ anzugleichen. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir auch nicht anerkannt.<br>Alleine, wenn man daran denkt, wie schlecht die Stellung und die Bezahlung der Lehrerinnen für Hebammenwesen ist, im Verhältnis zu dem, was sie zu leisten haben. Sie sollen die zukünftigen Hebammen gut ausbilden &#8211; dafür sollten sie die entsprechende Unterstützung und Anerkennung bekommen.</p>



<p><strong>Plädieren Sie für eine zweigliedrige Ausbildung &#8211; entweder Fachhochschule oder die klassische Hebammenschule im Krankenhaus &#8211; oder sollte es künftig nur noch die Fachhochschulausbildung geben?</strong></p>



<p>Das kann ich noch nicht beantworten. Ich weiß auch nicht, wie weit das schon gediehen ist. Damit will ich mich in Kürze sehr intensiv auseinandersetzen, weil da Weichen gestellt werden, die für die nächsten Jahre bindend sind.</p>



<p><strong>Haben Sie nicht die Sorge, dass bei einer Gesetzesänderung, die dafür eventuell notwendig ist, die Hinzuziehungspflicht verloren geht?</strong></p>



<p>Natürlich, das ist die große Sorge. Aber nur aus Sorge darum können wir die Situation nicht so belassen, wie sie ist. Umso wichtiger ist es, dass wir weiter mit unserer Erhebung belegen, wie wichtig die Hebammenarbeit ist.</p>



<p><strong>Ist Deutschland nicht das einzige Land, in dem die Hinzuziehungspflicht gesetzlich verankert ist?</strong></p>



<p>Genau das ist der Grund, warum man mit dieser Sache auch von unserer Seite aus so zögerlich umgeht: weil diese große Angst besteht. Da kann man wirklich die Hebammen nur immer wieder in Erinnerung bringen und sagen, was wir tun &#8211; dass die Hinzuziehungspflicht nicht verloren geht und Deutschland vielleicht sogar Stolz darauf ist. Das muss unser Ziel sein, sonst dürfen wir das gar nicht anpacken.</p>



<p><strong>Gibt es Konzepte, wie künftig die Finanzierung der Hebammenausbildung sichergestellt wird?</strong></p>



<p>Ursprünglich war geplant, dass die Ausbildung von einem Teil des Pflegesatzes finanziert werden soll. Aber das ist zu wenig und da gibt es auch sehr viele unterschiedliche Interessen. Es werden ja nicht nur Hebammen in den Kliniken ausgebildet, sondern auch die Pflegekräfte und ihre Anzahl ist noch viel höher. Das Verständnis für dieses Problem fehlt noch. In den Kliniken arbeitet man dafür, dass dort die Versorgung stattfindet, die Ausbildung steht nicht an erster Stelle. Der deutsche Pflegerat und wir Hebammen machen immer darauf aufmerksam und ziehen hier an einem Strang. Da ist zuzeit viel in Bewegung. Martina Klenk, unsere Beirätin für den Angestelltenbereich und Lisa Janicke, die Beirätin für den Ausbildungsbereich, arbeiten daran mit. Mehr kann man im Moment noch nicht sagen, weil bei diesen DRGs immer sehr langsam durchsickert, bis man etwas erfährt.</p>



<p>Ich war bei den Diskussionen auf dem Perinatalkongress in Berlin erschrocken, wie wenig ausgereift das DRG-System noch zu sein scheint. Auch viele verantwortliche Klinikchefs warfen widersprüchliche Fragen auf.</p>



<p>Es gibt einige Kliniken, die zur Festsetzung der DRGs jetzt schon probeweise damit arbeiten sollen. Kliniken sind sehr unterschiedlich strukturiert. Viele Verantwortliche verschließen auch von Seiten der Kliniken die Augen und sagen: „Bevor das nicht fertig ausgearbeitet ist, befassen wir uns damit gar nicht erst.“ Es gibt da sehr unterschiedliche Reaktionen. Unser Problem ist, dass die Idee aus Australien kommt: Dort ist das System der medizinischen Versorgung ein völlig anderes ist und die Hebammen arbeiten dort anders. So müssen wir uns bei vielen Punkten melden und sagen: „Moment mal, hier fehlt die Hebamme!“</p>



<p><strong>In Australien gibt es keine freiberuflichen Hebammen?</strong></p>



<p>Genau &#8211; es ist ein ganz anderes System, wie die Hebammen dort arbeiten und wie sie bezahlt werden. Deswegen ist es für uns neu, was jetzt verlangt wird. Nun sind die Hebammen aber eine kleine Gruppe, wo jeder lächelt und sagt: „Dieses Problem muss man nicht vorrangig behandeln.“ &#8211; und dann sind wir bei den Fallpauschalen mal drin und dann wieder draußen. Das macht mich fertig! Da gibt es große Widerstände. Wer hat auch schon Lust eine solche Arbeit zu tun?</p>



<p><strong>Offenbar haben nicht viele Fachleute Interesse daran, sich in die Thematik rein zu denken.</strong></p>



<p>Ja, vor allem, wenn man sieht, wie viel Zeit die Ärzte in den Krankenhäusern brauchen, um diese Abrechnungen am PC zu machen. Das ist wirklich keine Freude, dadurch wird viel Arbeitszeit für die Patienten gekürzt. Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK gGmbH), das die Entwicklung der DRGs erarbeitet, ist ein großer Apparat. Dort gibt es 100 Anfragen oder Eingaben pro Tag. Wann die Hebammen mit ihren Belangen an Reihe kommen, ist die Frage. Das neue Abrechnungssystem betrifft und bewegt den ganzen Gesundheitsbereich. Selbst wenn jetzt gesagt wird, bis 2008 müssen alle Krankenhäuser mit diesem System abrechnen: Es fördert nicht gerade die zügige Berechnung, wenn man inzwischen hört, dass man in Australien davon schon wieder abkommt. Das motiviert nicht gerade!</p>



<p><strong>Was ist Ihnen das wichtigste, vordringlichste Anliegen für die Zukunft der Hebammen?</strong></p>



<p>Das Wichtigste ist mir, dass der Hebammenberuf nicht in die zweite Reihe rückt, sondern dass er eine noch zentralere Rolle spielt. Wir sind in den Familien &#8211; gerade in den ersten Jahren, wo sonst niemand die Kinder sieht, bevor sie in den Kindergarten kommen. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft genügend Hebammen für diese Arbeit haben.</p>



<p><strong>Frau Albrecht, herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch. Alles Gute für Ihr Amt als Präsidentin!</strong></p>



<p><em>Im ersten Teil des Gesprächs blickt Helga Albrecht auf ihren beruflichen Werdegang als Hebamme zurück.</em></p>



<p><strong>Die Interviewte<br></strong>Helga Albrecht wurde1955 in Berlin geboren und machte ihr Hebammenexamen 1976. Bis 1995 war sie zunächst in Vollzeit, später in Teilzeit in verschiedenen Kliniken tätig. Seit 1983 nahm sie die freiberufliche Tätigkeit auf mit Geburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik und Wochenbettbetreuung, von 1996 bis 2000 auch mit Hausgeburtshilfe und Praxis. Seit 1996 war sie ausschließlich freiberuflich tätig. Von 1991 bis 1998 war sie Landesvorsitzende des LV Schleswig-Holstein, von1997 bis 2002 Mitglied im Präsidium des BDH. Am 18. November 2005 wurde sie zur Präsidentin des BDH gewählt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>30 Jahre Hebammenleben</title>
		<link>https://viktoria11.de/helga-albrecht-30-jahre-hebammenleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2006 08:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
		<category><![CDATA[Helga Albrecht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://viktoria11.de/?p=3753</guid>

					<description><![CDATA[Katja Baumgarten hat mit Helga Albrecht gesprochen. Die neue Präsidentin des BDH ist seit dem 18. November letzten Jahres im Amt. Im ersten Teil des Interviews berichtet sie über ihren vielfältigen Berufsweg seit 30 Jahren – als langjährige Klinikhebamme in einem der größten Kreißsäle Deutschlands bis hin zur Freiberuflichkeit mit Hausgeburtshilfe &#8211; und über ihr<a class="more-link" href="https://viktoria11.de/helga-albrecht-30-jahre-hebammenleben/"><span class="screen-reader-text">"30 Jahre Hebammenleben"</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Katja Baumgarten hat mit Helga Albrecht gesprochen. Die neue Präsidentin des BDH ist seit dem 18. November letzten Jahres im Amt. Im ersten Teil des Interviews berichtet sie über ihren vielfältigen Berufsweg seit 30 Jahren – als langjährige Klinikhebamme in einem der größten Kreißsäle Deutschlands bis hin zur Freiberuflichkeit mit Hausgeburtshilfe &#8211; und über ihr Engagement in der Verbandsarbeit</p>



<p><strong>Katja Baumgarten: Frau Albrecht, herzlichen Glückwunsch zur Wahl als Präsidentin das BDH! Haben Sie zu Beginn ihres neuen Amtes viel um die Ohren?</strong></p>



<p><strong>Helga Albrecht:</strong> Ja, es ist zurzeit noch so viel, weil ich zwischendurch auch noch meine Dienste habe und auch zwei Frauen, die ich im Wochenbett betreue. Ich bin viel auf Achse – gestern hatte ich meine erste Präsidiumssitzung.</p>



<p><strong>Zunächst zu Ihrem Lebensweg: Wie sind Sie zum Hebammenberuf gekommen?</strong></p>



<p>Ich kam zum Hebammenberuf wie die Jungfrau zum Kinde. Es gab in meiner Jugend niemanden, der über das Thema Geburt sprach. Obwohl ich eines von sieben Kindern war, hielt sich meine Mutter immer sehr bedeckt. Wie ich später erfahren habe, hatte sie ihre Geburtserlebnisse als sehr schrecklich empfunden und wollte deswegen ihren vielen Töchtern keine Angst machen. Damals kursierten auch seltsame Geschichten: Meine Großmutter sagte beispielsweise, sie hätte es wegen einer „Trockengeburt“ schwer gehabt – so wurde damals ein vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Mehr als Andeutungen hat man nicht erfahren. Als ich 16 Jahre alt und einmal bei einer meiner Schwestern zu Besuch war, sagte sie: „Ich kann mir gut vorstellen, dass du Hebamme wirst.“ Ich hatte nie an diesen Beruf gedacht. Auch meine Mutter unterstütze diese Idee, aber ohne, dass mir jemand gesagt hätte, was man dabei zu tun hat! Mit 18 Jahren war ich nach zwölf Jahren Schule mit meiner Schullaufbahn fertig. Das Abitur wollte ich nicht machen – damals gab es noch nicht diese Dringlichkeit, die es heute hat. Ich hatte keine Idee, was ich danach machen sollte, da riet mir meine Mutter: „Bewirb dich doch als Hebammenschülerin.“ Das war 1974, die Geburtshilfe war damals eine völlig andere. Es gab 50 Bewerberinnen auf 20 Ausbildungsplätze. Es herrschte also eine ganz andere Bewerbungssituation als heute, wo wir ungefähr 600 Bewerbungen auf einen Platz haben. Ich habe dann am Anfang meiner Ausbildung die allererste Geburt gesehen. Nach sechs Wochen wusste ich: Ja, dieser Beruf ist mein Ding!</p>



<p><strong>Kannten Sie vorher keine Hebamme, hatten Sie kein Praktikum gemacht?</strong></p>



<p>Nein, ich kam wirklich ganz naiv von der Schule in die Frauenklinik Berlin-Neukölln, die eine Art Fabrikcharakter hatte: Sie hatten dort annähernd 3.000 Geburten pro Jahr, es war die größte Klinik in West-Berlin. Prof. Saling war damals dort als Oberarzt tätig, war bereits Ton angebend in der Geburtshilfe und hat engagiert geforscht – die Amnioskopie ist zum Beispiel dort entwickelt worden. In meiner Ausbildungszeit wurden die ersten Wendungen bei BEL unter Ultraschallsicht gemacht. Die Perinatalmedizin steckte noch in den Anfängen: Die Mikroblutuntersuchung war völlig neu, Partusisten gab es noch unter dem Firmennamen TH1165A. Von der fortschrittlichen Geburtshilfe dort habe ich in den ersten zehn Jahren meiner Arbeit profitiert, weil ich immer mit allen Neuerungen vertraut war.</p>



<p><strong>Sie befanden sich also am Puls der modernen Geburtsmedizin?</strong></p>



<p>Ja genau, mit allem Positiven und natürlich auch Negativen.</p>



<p><strong>Hat Sie das nicht auch erschreckt, gerade wenn in Ihrer Familie über das Kinderkriegen so still geschwiegen wurde? Ich hatte in meiner eigenen Ausbildung – die war nur wenige Jahre später – die Vorstellung, dass in Berlin bei Prof. Saling alle Menschen im Kreißsaal Mundschutz und OP-Kleidung tragen. War das wirklich so?</strong></p>



<p>Ja. Mitte der siebziger Jahre – wir waren damals Schülerinnen – war dort auf der Wochenstation ein Sepsisfall aufgetreten, bei dem eine Frau verstorben ist. Das war natürlich eine Katastrophe! Daraufhin wurde die Schutzkleidung eingeführt – mit Haube, Mundschutz, Kittel und Überschuhen.</p>



<p><strong>Bei jeder normalen Geburt?</strong></p>



<p>Nicht nur zu jeder Geburt, bei jeder Aktion im Kreißsaal, wie zur Fruchtblaseneröffnung oder bei jeder MBU lag vollständige Schutzkleidung bereit und musste angezogen werden. Dieser Todesfall hat alle aufgerüttelt und hat Angst gemacht – es war plötzlich eine ganz andere Situation und diese Vorsichtsmaßnahme war sicherlich auch richtig bei dem Arbeitsaufwand, der da stattfand. Ich hab das in meiner Ausbildung so hingenommen, weil ich etwas anderes nicht kannte und es auch gar nicht beurteilen konnte. Das Tragen der Schutzkleindung hat sich dort sehr lange gehalten, als es viele andere Häuser schon wieder abgeschafft hatten.<br>Dann kam die Zeit, als sich die ersten Männer nicht nach Hause schicken ließen, als die Frauen sagten, sie wollten ihr Kind nicht weggeben, sie wollten stillen. Für mich waren das „böhmische Dörfer“ und alle sagten: „Oh Gott, jetzt kommen wieder solche ‚Alternativen’!“ Es war ein Sport der alten Hebammen, die Männer nach Hause zu schicken, in der Hoffnung, dass in der Zeit die Kinder kämen. Es klingt böse, aber das war etwas ganz Neues für alle, die im Kreißsaal gearbeitet haben. Und man darf nicht vergessen, dass die Hebammen ein großes Stück an Macht verloren haben. Mit den jungen Frauen, die manche Änderungen durchgeboxt haben, habe ich vieles erst für mich mitgelernt – weil ich selbst als Frau noch gar nicht fertig war. Im Nachhinein habe ich mich für viele Dinge geschämt, die man so unreflektiert getan hat. Aber ich hatte auch keine Möglichkeit zur Reflektion, weil ich mit den eigenen Ideen gar nicht durchkam. Man konnte vieles nicht ändern, weil man es gar nicht besser wusste.</p>



<p><strong>Die Geburtshilfe war ein großes System und fast alles lief in eine Richtung.</strong></p>



<p>Ja, das war sehr mächtig und wenn man das so lernt … Die Angst wurde nicht ausgesprochen, aber alles erschien gefährlich, es konnte immer etwas passieren. Dann steht man auch selbst unter dem Druck, es darf dir jetzt nichts passieren. Ich hatte teilweise Mühe, das wieder abzulegen. Das ist auch ein Grund, warum ich erst 20 Jahre nach meiner Ausbildung gewagt habe, Hausgeburten zu begleiten. Nicht, weil ich mich für eine schlechte Hebamme hielt, sondern weil ich diese Ängste ablegen und neue Erfahrungen machen und Gewohnheiten hinterfragen musste. Ich musste den Frauen die Verantwortung zugestehen, zu entscheiden, was sie möchten. Über diese Veränderungen habe ich mich gefreut und die Frauen darin unterstützt. In dieser Hinsicht bin ich heute sehr zufrieden mit mir, dass ich nicht blockiert habe. Ich habe mich eigentlich immer schnell arrangiert.<br>Auch die Geburten meiner Kinder, die in den Jahren 1979 und 1980 in der Uniklinik Neukölln zur Welt kamen, haben meine Arbeit sehr beeinflusst. Ich konnte mir die Menschen aussuchen, die mich dabei begleitet haben – dadurch hatte ich gewisse Freiheiten. Zum Beispiel bei der Geburt von meinem ersten Kind, das sehr lange gebraucht hat, bis es sich durch das Becken gearbeitet hat. Es gab die unumstößliche Frist, nach zwei Stunden „Muttermund vollständig“ wird eine Vakuumextraktion gemacht. Als ich sagte: „Ich möchte das aber nicht!“, entgegnete die Ärztin: „Gut, eine Stunde gebe ich Ihnen noch. Sie hören, die Herztöne sind gut.“ Ich war darüber sehr froh und die Geburt endete glücklich. Ich verhalte mich auch heute noch den Frauen gegenüber ähnlich, sofern keine Notsituation vorliegt. Ich erkläre die Situation und frage: „Welches ist euer Weg? Was möchtet ihr? Es gibt mehrere Alternativen.“ Die Möglichkeit zu dieser guten Erfahrung hatte ich nur, weil ich dort gearbeitet habe, damals kriegte das sonst keine Frau. Nachdem ich selber geboren hatte, war für mich klar, diese Geburtshilfe ist nicht das, was ich möchte – weder für die Mütter noch für die Kinder. 1982 bin ich dort weggegangen und habe in Schleswig-Holstein in einem anderen Haus als Hebamme gearbeitet.</p>



<p><strong>Warum sind Sie aus Berlin weg gegangen?</strong></p>



<p>West-Berlin wurde meinem Mann und mir damals zu eng mit den kleinen Kindern. Wir segelten sehr gerne, deshalb gingen wir nach Schleswig-Holstein. Da habe ich dann wieder in verschiedenen Kliniken gearbeitet, auch angestellt. 1985 habe ich mit der Freiberuflichkeit angefangen – da waren meine Kinder fünf und sechs Jahre alt, man musste ja immer gucken, wie bringe ich die Gören unter? Mit Kursen und Wochenbettbetreuung nach ambulanten Geburten, die damals zunahmen, kam ich dann zur Freiberuflichkeit.</p>



<p><strong>Wo haben Sie in Schleswig-Holstein gearbeitet?</strong></p>



<p>Wir haben in Wrist, einem kleinen Dörfchen gewohnt. Ich habe zunächst in Pinneberg und später in Itzehoe in der Klinik gearbeitet. Anfangs war ich dort mit einer halben Stelle angestellt und dann mit einer viertel Stelle. Dann hatte ich ja auch den Landesvorsitz beim Hebammenverband von 1991 bis 1998 inne. 1995 habe ich die Tätigkeit in der Klinik ganz beendet, weil mich das nicht mehr ausfüllte. Ich war dort nur noch wie zu Besuch, zwei Wochenenden oder vier Nächte im Monat und verlor den Kontakt zur Geburtshilfe. Dort war kein Mitgestalten möglich, es war mir eher ein „Klotz am Bein“, denn die Freiberuflichkeit war unterdessen mein Hauptanliegen. Ich habe daraufhin eine Hebammenpraxis eröffnet und begonnen, Hausgeburten zu betreuen. 1997, bei der Bremer Bundesdelegierten-Tagung, wurde ich ins Präsidium des BDH gewählt.</p>



<p><strong>Als Beirätin für den freiberuflichen Bereich?</strong></p>



<p>Ja, Ute Höfer, die dieses Amt inne gehabt hatte, war zurück getreten. Damals fand ein Umbruch statt. Das war die Tagung, als auch Magdalene Weiß zur Präsidentin gewählt wurde. Nach langem Zögern bin ich dort eingestiegen. Meine Lebensplanung ist eigentlich eine andere gewesen – ich hatte mich ganz auf die freiberufliche Arbeit eingestellt, die Kinder waren groß, jetzt war ich unabhängig und hatte mit den Hausgeburten angefangen und mit meiner Praxis. Das hat mir Spaß gemacht und andererseits sah ich die Notwendigkeit: Wo bleibt der freiberufliche Bereich, wenn er im Präsidium nicht besetzt ist?<br>Diese Beirätinnen-Tätigkeit wurde wie eine Halbtagsstelle bezahlt, verlangte aber viel mehr Arbeit – vor allen Dingen war ich überhaupt nicht mehr kontinuierlich zu Hause. Das hieß 80 Termine im Jahr und drei Tage in der Woche war ich in den verschieden Gremien oder bei Kolleginnen oder im Präsidium oder im Netzwerk für Geburtshäuser oder so … Die Freiberuflerinnen haben ja, anders als die angestellten Hebammen, viel mehr verschiedene Stellen, zu denen sie fahren müssen. Das ging nach einer Weile einfach nicht mehr gut neben der Praxis und den Hausgeburten. Dann hab ich aufgehört mit den Hausgeburten.</p>



<p><strong>Wie lange waren Sie in der Hausgeburtshilfe tätig?</strong></p>



<p>Das waren volle fünf Jahre bis ich meine Praxis 2000 aufgegeben habe und wieder nach Berlin zurückgegangen bin. Ich freue mich noch immer, dass ich diese Erfahrung gemacht habe, das war eine tolle Zeit!</p>



<p><strong>Warum gingen Sie zurück nach Berlin?</strong></p>



<p>Wir hatten immer den Wunsch, wieder nach Berlin zurück zu gehen, wenn die Kinder einmal groß wären und wir nicht mehr arbeiten würden – ich bin auch Berlinerin. Dieser Zeitpunkt rückte dann viel näher, als ich von einer Kollegin hörte, die hier in Berlin in einem Team Hebammen suchten. Das war eine Hebammenpraxis mit Arztpraxis und Gebärräumen auf dem Gelände eines Krankenhauses. Ich dachte: „Wenn ich nicht mehr allein die Praxis habe und zusammen mit neun anderen Hebammen gebündelter arbeiten kann, wird es aufgefangen, wenn ich zwischendurch unterwegs sein muss.“ Es war ein bisschen eine Verzweiflungstat, das Amt der Beirätin mit meiner Freiberuflichkeit zu koordinieren. 2002 musste ich dennoch zurück treten, weil ich das einfach nicht mehr schaffte. Ich war zur Alleinverdienerin geworden und hatte die Zwänge, zu gucken, wo verdiene ich mein Geld. Das war zu der damaligen Zeit immer noch die Hebammenarbeit und nicht die Verbandsarbeit. Das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert.</p>



<p><strong>Werden die Beirätinnen jetzt besser bezahlt?</strong></p>



<p>Ja, inzwischen ist es eine Dreiviertelstelle, angestellt. Über die Organisationsentwicklung, die im Verband stattgefunden hat, wurde beleuchtet, wie viel Arbeit für die Beirätinnen anfällt. Insofern ist es natürlich eine bessere Bezahlung und ein gesichertes Einkommen. Das war bei mir damals noch nicht so.</p>



<p><strong>Wo waren Sie in den letzten Jahren als Hebamme tätig?</strong></p>



<p>In den letzten drei Jahren habe ich hier in Berlin in einer Belegklinik gearbeitet. Diese Seite der Hebammenarbeit wurde schon in meiner Beirätinnenzeit zu meinem „Steckenpferd“, als 1998 viele Häuser anfingen, mit dem Belegsystem zu spekulieren, um Personalkosten zu sparen. Damals kam eine Schwemme von Anfragen von Kolleginnen, so dass ich mich sehr schnell in dieses Gebiet einarbeiten musste. Jetzt habe ich es auch aus der Praktikerinnenseite kennen gelernt. So bin ich inzwischen in allen Bereichen tätig gewesen: von großer Klinik über Hausgeburtshilfe und Tätigkeit als Beleghebamme und Praxisgeburten. Das ist sehr wertvoll und hilfreich bei der Arbeit, man hat ein ganz anderes Verständnis, wenn man alle Facetten und die Nöte kennt, die in jeder Disziplin ein bisschen anders gelagert sind. Das andere ist die Erfahrung mit der Verbandsarbeit: als Delegierte und dann sieben Jahre als Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein und schließlich die fünf Jahre Beirätinnenzeit, wo man gründlich die Gremien und die Strukturen im BDH kennen gelernt hat und weiß, damit umzugehen.</p>



<p><strong>Sie können wirklich auf ein sehr vielseitiges Leben als Hebamme zurückblicken.</strong></p>



<p>Ich wüsste gar nicht, ob ich mich sonst von der praktischen Arbeit trennen könnte. Jetzt wird sich sehr viel ändern. Präsidentin im BDH zu sein, heißt eben auch „raus aus der Praxis“ – wobei man sich zunächst überlegen muss: Das werden vier Jahre sein, eventuell acht Jahre – wie alt bin ich dann? Was mache ich dann?</p>



<p><strong>Wie geht es Ihnen damit?</strong></p>



<p>Ich bin jetzt 50 Jahre alt, gehen wir mal von acht Jahren aus, dann bin ich 58. Was mache ich dann? Ich habe natürlich ausgerechnet, wie ist das mit einer Rente, falls man keinen Fuß mehr in die Tür kriegt. Das könnte ja der Fall sein, denn ich bin freiberuflich tätig gewesen. Natürlich kann das Team im Krankenhaus nicht vier oder acht Jahre lang auf mich warten.</p>



<p><strong>Dann ist die Entscheidung, sich um das Amt der Präsidentin zu bewerben, ein persönlich weit reichender Aufbruch gewesen?</strong></p>



<p>Schwierig, ja. Andererseits gibt es eben auch die Zeit, die gewesen ist. Früher habe ich immer gesagt, auch wenn ich 50 Jahre alt bin, möchte ich noch einmal etwas Neues machen, war aber nie festgelegt, was das sein wird. Im vergangenen Jahr, als noch nicht sicher war, werde ich Präsidentin oder werde ich es nicht, habe ich schon viele Situationen als Abschiede wahrgenommen. Eine Frau hatte mich gefragt, ob ich sie bei ihrer Hausgeburt begleite. Es war eine sehr schöne Geburt Ende Juli und ich dachte: Das war wahrscheinlich meine letzte Hausgeburtshilfe in diesem Leben. Man muss sich ja darauf vorbereiten und „freischaufeln“. Ich glaube, egal wie lange meine Amtszeit dauern wird, Geburtshilfe wird danach nicht mehr meine Tätigkeit sein.</p>



<p><strong>Wie sind Ihre Pläne?</strong></p>



<p>Natürlich kann ich in vier oder acht Jahren ganz anders orientiert sein als jetzt, dass der Wunsch doch wieder besteht – die Tür steht ja offen. Aber ich denke eher in ganz andere Richtungen – schon im menschlichen Bereich zu bleiben, aber nicht mehr am Anfang, sondern am Ende des Lebens. Ich würde gerne in die Hospizarbeit gehen, denn auch dieser Bereich liegt in unserem Beruf. Ich habe keine Angst vor dieser Arbeit, meine Eltern waren bei mir bis zum Ende ihres Lebens. Insofern habe ich da eine Vorerfahrung, ganz anders als in meinem Hebammenberuf.</p>



<p><strong>Was reizt Sie in der Hospizarbeit?</strong></p>



<p>Mit der Hospizbewegung ist vieles in Bewegung gesetzt worden, es hat sich ein anderes Verständnis entwickelt. Mich beschäftigen diese ganzen Fragen: auf der einen Seite, zu Beginn des Lebens haben wir die technische Geburtsmedizin oder -medikalisierung und am anderen Ende des Lebens haben wir die Sterbehilfe, zunehmend die aktive Sterbehilfe. Das ist beides etwas sehr Eingreifendes, was der Mensch so eigentlich nicht braucht oder nur in begrenzter Form – etwas, was nur sehr wenige Menschen benötigen. Grundsätzlich funktioniert die Geburt immer noch ohne ein Eingreifen und der Tod auch. Ich spüre im Moment diese Verbindung: Je mehr wir das Normale unterstützen, desto weniger brauchen wir eigentlich das andere, das aktive Vorgehen. Denken wir also darüber nach, wie wir das Normale unterstützen können, damit wir das andere so wenig wie möglich brauchen. Die Diskussion ist immer: Die Medizin kostet so viel! Dies kann für das Gesundheitssystem eine Sparmaßnahme sein, ohne die Leute alleine zu lassen und sie in diese innere Armut und Notsituationen zu bringen. Wenn diese grundlegenden Lebenspole aus dem normalen Leben heraus gehalten werden, wächst auch die Angst vor den natürlichen Vorgängen, dass alles unsicher und risikoreich ist.</p>



<p><strong>Zu Beginn ihres Amtes als Präsidentin sehen Sie für sich selbst eine weit reichende Perspektive – gibt Ihnen das Weitblick für ihre künftige Arbeit?</strong></p>



<p>Meine Perspektive hat etwas mit meinem Alter und auch mit einem sehr erfüllten und reichen Hebammenleben zu tun. Ich habe immer gearbeitet und habe dabei auch sehr viel erfahren. Es gab keine großen Pausen. Vier Monate Erziehungsurlaub gab es erst 1980 bei meinem zweiten Kind, als das damals eingeführt wurde. Ich habe kein Gefühl von Lücken, wo ich mir sagen würde: „Das hättest du eigentlich immer gerne machen wollen!“ Insofern steht mir alles offen. Die politische Arbeit hat mir immer viel Spaß gemacht, darauf bin ich sehr neugierig, da habe ich auch immer sehr viel Energie rein gebracht. Diese Freude daran hat sich nicht geändert und auch nicht mein Willen, was ich noch verändern möchte.</p>



<p><em>Im zweiten Teil des Gesprächs stellt Helga Albrecht ihre Ziele als Präsidentin des BDH vor.</em></p>



<p><strong>Die Interviewte</strong><br>Helga Albrecht wurde1955 in Berlin geboren und machte ihr Hebammenexamen 1976. Bis 1995 war sie zunächst in Vollzeit, später in Teilzeit in verschiedenen Kliniken tätig. Seit 1983 nahm sie die freiberufliche Tätigkeit auf mit Geburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik und Wochenbettbetreuung, von 1996 bis 2000 auch mit Hausgeburtshilfe und Praxis. Seit 1996 war sie ausschließlich freiberuflich tätig. Von 1991 bis 1998 war sie Landesvorsitzende des LV Schleswig-Holstein, von1997 bis 2002 Mitglied im Präsidium des BDH. Am 18. November 2005 wurde sie zur Präsidentin des BDH gewählt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
