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	<title>Kommentar &#8211; Katja Baumgarten</title>
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	<description>Filmemacherin, Journalistin, Hebamme</description>
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	<title>Kommentar &#8211; Katja Baumgarten</title>
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		<title>Das Feuer weitertragen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Sep 2018 14:52:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtshilfe]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Veranstaltungen im Juni 2018 in Norddeutschland, die frischen Wind in der Geburtshilfe signalisierten. Ein Kommentar von Katja Baumgarten Zwei Veranstaltungen im Juni haben in mir nachgeklungen: Sie setzten ermutigende Zeichen gegen manch bedrückende Entwicklung in der Geburtshilfe. Zunächst beeindruckte das Symposium „Geburtshilfe – eine komplexe Kunst“ in Hamburg am 5. Juni. Hebamme, IBCLC und<a class="more-link" href="https://viktoria11.de/das-feuer-weitertragen/"><span class="screen-reader-text">"Das Feuer weitertragen"</span> weiterlesen</a>]]></description>
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<p><br><strong>Zwei Veranstaltungen im
Juni 2018 in Norddeutschland, die frischen Wind in der Geburtshilfe signalisierten.
</strong></p>



<p><strong>Ein Kommentar von Katja Baumgarten</strong></p>



<p>Zwei Veranstaltungen im Juni haben in mir nachgeklungen: Sie setzten ermutigende Zeichen gegen manch bedrückende Entwicklung in der Geburtshilfe. Zunächst beeindruckte das Symposium „Geburtshilfe – eine komplexe Kunst“ in Hamburg am 5. Juni.</p>



<p><strong>Hebamme, IBCLC und
Chefärztin</strong></p>



<p>Zur spannenden und gut besuchten Abendveranstaltung im Saalhaus der Patriotischen Gesellschaft hatte <strong>Dr. Maike Manz</strong> im Namen ihrer Klinik eingeladen. Zur Begrüßung stellte sie sich als Hebamme, IBCLC und Chefärztin der Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Helios Mariahilf Klinik Hamburg vor. Das war überraschend: Zwar gibt es etliche Hebammen, die später Ärztinnen wurden. Auf ihre beruflichen Wurzeln als Expertinnen für die physiologische Geburt verweisen aber die wenigsten. Nicht so Maike Manz: Sie habe in Tübingen ihre Hebammenausbildung absolviert, schilderte sie, im selben Kurs wie die DHV-Präsidentin Ulrike Geppert-Orthofer<em>. </em></p>



<p>Manz, die den Chefärztinnenposten in Hamburg im Jahr zuvor übernommen hatte, wolle die normale Geburt stärken. Ökonomisch werde das nicht belohnt: Eine komplikationslose Geburt werde im DRG-System der Klinik mit 1.896 Euro vergütet, eine komplikationslose Sectio bringe 1.000 Euro mehr ein – 2.897 Euro. Bei einer Sectio seien zwei ÄrztInnen etwa 20 Minuten beschäftigt – eine vaginale Geburt könne gut 20 Stunden dauern. Trotz der wirtschaftlichen Schieflage habe sie sich auf die Fahnen geschrieben, die Sectioquote in ihrer Abteilung zu senken. 2017, zu Beginn ihrer Tätigkeit an der Mariahilf Klinik, habe die Rate bei 30,13 % gelegen. Inzwischen sei die Frauenklinik in separate Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe getrennt worden. Aktuell liege die Sectioquote bei 23,9 %.</p>



<p><strong>ExpertInnenwissen
vernetzen</strong></p>



<p><strong>Dr. Michel Odent</strong>,
Jahrgang 1930, prägt und befeuert seit Jahrzehnten die Debatte um die
physiologische Geburt. Seit 1990 lebt er in London und ist unermüdlich
unterwegs, um seine Ideen in allen Teilen der Welt vorzutragen. Als Chefarzt in
Pithiviers, einer Kleinstadt südlich von Paris, hatte er seine innovative
Geburtshilfe entwickelt und bekannt gemacht. Als ich ihn vor 15 Jahren einmal
fragte, ob es ihn nicht entmutige, dass trotz seiner jahrzehntelangen
Anstrengungen die Geburtshilfe immer weiter zu noch mehr Interventionen strebe,
antwortete er geduldig, die Zeiten würden sich auch wieder in die andere
Richtung wandeln. Damals fehlte mir das Verständnis für seine Zuversicht. </p>



<p>In Hamburg erlebte ich mit Hochachtung, wie er im fortgeschrittenen
Alter von 88 Jahren noch immer für die „gute Sache“ unterwegs ist und die
aktive Geburtshilfe durch sein Vorbild stärkt. Sein Vortrag lautete: „In the
Age of Overspecialization“, zu Deutsch: „Im Zeitalter der Überspezialisierung“.
Odent betonte den Charakter der Geburtshilfe als „Kunst“. Die einzelnen Bausteine
des Wissens hochspezialisierter ExpertInnen müssten zusammengeführt und
vernetzt werden, um so die Physiologie der Geburt noch besser zu verstehen. Die
Art der Lichtquelle habe zum Beispiel Auswirkungen auf die Geburt: Kerzen seien
von Glühbirnen abgelöst worden und diese heutzutage von LED-Leuchten. Letztere
störten die Ausschüttung des wichtigen Hormons Melatonin, das eine Synergie mit
dem Geburtshormon Oxytocin eingehe. Melatonin habe eine schützende Wirkung im
Blut des Neugeborenen. Bei einer primären Sectio würde dagegen kein Melatonin
ausgeschüttet und an das Kind weitergegeben.</p>



<p>Eine wichtige Voraussetzung für die ungestörte Geburtsarbeit sei, die Aktivität des Neocortex herabzusetzen. Hebammen wüssten, dass Frauen sich ohne dessen Kontrolle zuweilen bizarr verhielten wie ein wildes Tier – ein perfekter Zustand, um ihr Kind zur Welt zu bringen.</p>



<p><strong>Die erste Sectio vermeiden</strong></p>



<p>Der zweite Referent, der israelische Geburtshelfer <strong>Prof. Dr.</strong> <strong>Michael Stark</strong>, ist seit den 1990er Jahren durch seine gewebeschonende,
blutungsarme und zeitsparende Misgav-Ladach-Kaiserschnitt-Technik weltweit bekannt
geworden. Sie wurde nach dem Krankenhaus in Jerusalem benannt, dessen
gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung Stark von 1983 bis 2000 geleitet hatte, und
wird heute in über 100 Ländern angewandt. Weniger bekannt ist, dass Stark mit
seinem Team für einen Wechsel von einer technisierten, interventionsreichen hin
zu einer humanen, familienorientierten Geburtshilfe stand. </p>



<p>„Der evidenzbasierte Kaiserschnitt und der mögliche Einfluss
auf die menschliche Evolution aufgrund seiner zu häufigen Anwendung“, hieß sein
Vortrag. Stark erläuterte die Vorteile seiner Operationstechnik mit Fotos und
Studienergebnissen. Am wichtigsten sei es allerdings, die erste Sectio
möglichst zu vermeiden, betonte er. Einen fixen Termin zur primären Sectio
lehne er ab: „Kommen Sie mit Wehen“, empfehle er stattdessen Frauen vor einer
notwendigen primären Sectio. </p>



<p>Er schneide so wenig wie möglich, sondern dehne das Gewebe
im Bauchraum auf. Und so weit wie möglich verzichte er auf Nähte. „Der Uterus
repariert sich selbst“, erklärte Stark. Nähte seien höchstens notwendig, um
Blutungen zu stoppen. Das Peritoneum lasse er offen, es bilde sich innerhalb
von 24 bis 48 Stunden neu. Damit vermeide er Schmerzen für die Frauen. Anhand
eines Videos vom Vortag, als er als Gast mit Maike Manz drei Sectiones
durchgeführt hatte, kommentierte er abschließend seine Vorgehensweise. </p>



<p>„Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche“, hatte es in der Einladung von Maike Manz geheißen – ein perfektes Motto für eine fortwährende Erneuerung in der Geburtshilfe. </p>



<p><strong>Macht,
wirksam zu sein</strong></p>



<p>Auch die Antrittsvorlesung von Deutschlands
erster Universitätsprofessorin mit einem Lehrstuhl für Hebammenwissenschaft <strong>Prof. Dr. Christiane Schwarz</strong> an der Universität zu Lübeck am
22. Juni passte unter dieses Motto. Ihr Vortrag „Hebamme, die Wissen schafft –
Geburtshilfe mit Herz und Verstand“ umriss anhand zahlreicher Kostproben ihrer
bisherigen Forschungsprojekte ihre Vorstellungen, wie Forschung und Lehre aus
Hebammenperspektive unter ihrer Leitung aussehen könnte. Offene Fragen lauteten
zum Beispiel: „Wie lange dauert eine individuelle Schwangerschaft? Woran
sterben Kinder intrauterin? Welches Kind ist in Gefahr? Warum, wann und wie
beginnt eine Geburt?“ </p>



<p>Wissen müsse gesammelt,
erforscht und weitergegeben werden. Noch 2009 habe der Präsident der
Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windhorst sich zum Gesundheitscampus
NRW Bochum geäußert: „Stecken Sie das viele Geld lieber in die Ausbildung der
Ärzte und nicht in ein akademisiertes Proletariat.“ Die Akademisierung der
Hebammen sei heute unaufhaltsam, war sich Christiane Schwarz sicher. Nicht um
der Hebammen selbst willen sei sie notwendig, sondern für Frauen und Kinder und
für ein gesundes Geburtserlebnis im Sinne der Forderung der WHO.</p>



<p>Es war ein bewegender
Moment, als sich direkt nach ihrem Vortrag alle 120 ZuhörerInnen erhoben und
mit nicht enden wollendem Beifall die frischgebackene Professorin ehrten. In
dieser Ehrung lag zum einen der Respekt für ihren weiten Weg über viele
Stationen, auf dem sie keine Anstrengung gescheut hatte, ohne dabei ihre
sprühende Herzlichkeit und ihr glühendes Engagement für die Geburtshilfe und
die betreuten Familien zu verlieren. Es lag auch die Würdigung und Hoffnung für
die Vertreterin einer Hebammengeneration darin, die für den Aufbruch steht und
die den Durchbruch geschafft hat, die Wissenschaft aus der Perspektive der
Hebammen nun mit eigenen Inhalten zu bereichern und die Hebammengeburtshilfe an
der Universität in die Praxis umzusetzen.</p>



<p>„Jetzt habe ich Macht“, sagte Christiane Schwarz später im persönlichen Gespräch beim anschließenden Umtrunk. Nicht Selbstzufriedenheit klang dabei aus ihren Worten, sondern die Erleichterung über ein Ende der Ohnmacht, mit der sich Hebammen zu lange zu arrangieren hatten. Und die Gewissheit, nun substanziellen Einfluss zu nehmen und die Hebammenkunst auf akademischem Niveau zu beleben – und dem Ausbluten des Hebammenstandes in seinen originären Aufgaben zugkräftige Argumente entgegenzusetzen, die auch gehört werden </p>



<p><strong>Ausblick</strong></p>



<p>Ein Lichtblick, diese beiden Veranstaltungen: Zwei Beispiele von starken Frauen, die heute in wirksame Positionen vorgedrungen sind und die – jede auf ihre Weise – die gesunde, interventionsarme Geburt wieder zum Normalfall werden lassen wollen. Die Tradition der humanen Geburtshilfe, aus der sie ihr Feuer erhalten haben, haben beide aufscheinen lassen. Dass sie die Flamme erfolgreich weitertragen werden, ist ihnen zuzutrauen.</p>
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			</item>
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		<title>Aus der Tabuzone holen</title>
		<link>https://viktoria11.de/aus-der-tabuzone-holen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Katja]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2017 23:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Psychische Erkrankungen]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Kommentar von Katja Baumgarten Kürzlich erzählte mir eine Freundin – eine belastbare Familienmutter und Ärztin – wie sie einmal mit einer privaten Krankenversicherung telefoniert hatte. „Wir versichern doch kein brennendes Haus!“, begründete ein Mitarbeiter am anderen Ende salopp, warum ihr Anliegen abgelehnt worden war. Irgendwann Jahre zuvor hatte sie Psychotherapie in Anspruch genommen. Noch<a class="more-link" href="https://viktoria11.de/aus-der-tabuzone-holen/"><span class="screen-reader-text">"Aus der Tabuzone holen"</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Ein Kommentar von Katja Baumgarten</strong></p>



<p>Kürzlich erzählte mir eine Freundin – eine belastbare Familienmutter und Ärztin – wie sie einmal mit einer privaten Krankenversicherung telefoniert hatte. „Wir versichern doch kein brennendes Haus!“, begründete ein Mitarbeiter am anderen Ende salopp, warum ihr Anliegen abgelehnt worden war. Irgendwann Jahre zuvor hatte sie Psychotherapie in Anspruch genommen. Noch heute stecke ihr diese Demütigung in den Knochen.</p>



<p>Situationen wie diese tragen dazu bei, seelische Erkrankungen zum Tabu zu machen. Psychisch erkrankten Müttern kann die Scham, nicht dem landläufigen Bild der glücklichen Mutter zu entsprechen, zum Verhängnis werden. Die Dunkelziffer betroffener Frauen, deren Krankheit nicht oder nicht frühzeitig erkannt wird, ist enorm. Dramatisch können die Folgen sein, wenn Hilfe zu lange ausbleibt. Suizid gehört zu den häufigsten Gründen für Müttersterblichkeit in westlichen Ländern. Eine seelisch kranke Mutter kann durch rechtzeitige Therapie vor einer Ausweitung ihrer Erkrankung bewahrt und ein ganzes Familiengefüge wieder stabilisiert werden. Ihrem Kind wird damit viel Not im weiteren Leben durch einen wenig glücklichen Bindungsaufbau am Anfang erspart.</p>



<p>Hebammen sitzen hier in einer Schlüsselposition, frühzeitig Hilfe anzubahnen. Doch auch sie erkennen häufig nicht die feinen Signale oder vermeiden ein klares, offenes Wort – vielleicht aus Sorge, die betreute Frau selbst mit vermeintlicher Stigmatisierung zu belasten – und werden damit auch zu Akteurinnen in dieser Tabuzone.</p>



<p>Die Tagung „Psychische Erkrankungen in Schwangerschaft und nach der Geburt“ im vergangenen Jahr in Bern (siehe DHZ 4/16) hat mir den Anstoß gegeben, dieses hochrelevante, vernachlässigte Thema der Müttergesundheit wieder aufzugreifen. Die Hebamme und Pflegewissenschaftlerin Eva Cignacco Müller und ihr Team hatten unterschiedliche Disziplinen zusammengebracht. Besonders beeindruckt war ich von der Aufbruchsstimmung und wie emotional aufgeladen eine wissenschaftliche Tagung sein kann: Durch die verschiedenen Blickwinkel der Fachleute, die ihr Wissen hier teilten, potenzierte sich die Empfindung für die oft unerkannte Not und den enormen Handlungsbedarf einerseits und die große Chance für Familien andererseits, wenn frühzeitige Hilfe und Heilung möglich wird. Nur mit gebündelten Kräften in einem tragfähigen Netz kann es gelingen, den Frauen rechtzeitig zur Seite zu stehen – und durch eine offene gesellschaftliche Diskussion. Es sind die Fachleute, die den Stein ins Rollen bringen müssen.</p>



<p></p>



<p>&nbsp;</p>
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